Edition F: Der Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit (Bild: Kirsten Becken)

Edition F: Selbstständigkeit ist wie ein Sprung ins kalte Wasser

Nora-Vanessa Wohlert und Susann Hoffmann wagen den Schritt, von dem viele nur zu träumen wagen: Die beiden Frauen lukrieren mithilfe von Crowdinvesting mehr als 200.000 Euro für ihre digitale Businessfrauen-Plattform Edition F. Der Leserinnenansturm ist gewaltig, renommierte Auszeichnungen wie der silberne Lead Award folgen. Bei uns sprechen sie über die Motivation zur Gründung, die Herausforderung eines gesunden Traffic-Wachstums und die notwendige Offenheit für Veränderungen.

Wie genau entstand die Idee zu Edition F?
Susann Hoffmann: Nora und ich gehören als Gründerinnen selbst zur Zielgruppe von Edition F. Für Frauen wie uns gab es keine richtige Anlaufstelle im Netz. Wir wollen Frauen, die sich beruflich verwirklichen wollen, ein digitales Zuhause bieten. Eine Plattform fernab der stereotypen Themen Mode und Beauty. Wir schaffen ein Gegenangebot zu den Wirtschaftstiteln, die sich häufig ausschließlich auf Männer fokussieren.

Nora-Vanessa Wohlert: Wir bilden sowohl die Business- als auch die Business-Lifestyle-Welt mit einem integrierten Angebot ab: inspirierende und meinungsstarke Inhalte, Networking-Angebote, Stellenausschreibungen und alles, was das Berufsleben von Frauen schöner macht. Damit wollen wir zur täglichen Inspirationsquelle werden und Frauen unterstützen, ihren Weg zu gehen – im Job und im Leben.

Woher nahmen Sie den Mut für die Selbstständigkeit?
Hoffmann: Zur Selbstständigkeit gehört immer der Sprung ins kalte Wasser. Dieser Mut ist leichter aufzubringen, wenn jemand von seiner oder ihrer Sache überzeugt ist, bereits erste Erfahrungen sammelte und er oder sie sich auf den Mitgründer oder die Mitgründerin verlassen kann. Irgendwann spürt man, ob sich das Risiko für eine Idee lohnt.

Wohlert: Es war einfach der richtige Moment, das richtige Thema und die richtige Mitgründerin. Um sich nicht verrückt zu machen, sollte man sich vor Augen halten, dass man im Notfall wieder in eine Festanstellung zurückgehen kann.

Wann haben Sie sich als Gründerin zum ersten Mal so richtig gefreut?
Hoffmann: Der Schritt zur Gründung war schon sehr einschneidend – ein neues Abenteuer, ein Wagnis. Deshalb war der erste Tag im Home Office im September 2013 eine große Freude. Die nächsten Meilensteine waren die erste Finanzierungsrunde im März 2013, der offizielle Launch im Juli 2014 und die Resonanz auf unsere noch aktive Crowdinvesting Kampagne.

Wohlert: Zusätzlich haben wir uns sehr über den silbernen Lead Award in der Kategorie Online Independent gefreut, und immer wieder, wenn wir Mails von Nutzerinnen bekommen.

Webauftritt von Edition F
Webauftritt von Edition F

Was waren die ersten Rückschläge?
Hoffmann: Alles dauert länger, als man sich das wünscht. Das bereitet einem manchmal Kopfzerbrechen.

Welche Marketingmaßnahmen setzten Sie ein, um ihre ersten Leserinnen anzusprechen?
Wohlert: Wir haben bisher kein Geld in Online-Marketing investiert, sondern sind organisch gewachsen. Unser Traffic kommt insbesondere aus sozialen Netzwerken, weil Menschen dort unsere Inhalte teilen. Facebook ist sehr relevant für uns, aber auch Twitter, Instagram und Karriere-Netzwerke wie Xing und Linkedin.

Hoffmann: Die Nutzerin steht im Mittelpunkt unseres Interesses, deshalb ist es für uns am wichtigsten genau sie ständig im Blick zu behalten. Wir müssen erkennen, welche Themen und Features die Leserinnen wirklich wollen und welche Bedürfnisse auch neue Geschäftszweige eröffnen.

Die Gretchenfrage: Umsätze generieren oder Wachstum?
Hoffmann: Das ist für jedes Startup anders. Wir haben uns dafür entschieden, sowohl gesund zu wachsen, als auch zu zeigen, dass unser Geschäftsmodell funktioniert. Wir glauben insgesamt nicht mehr so stark an die Idee, dass Reichweite allein zählt. Viel wichtiger sind zielgruppenspezifische Angebote, die die Nutzerinnenbedürfnisse ernst nehmen und ein Produkt anbieten, für das diese Zielgruppe auch bereit ist zu zahlen.

Gibt es etwas an das neben Ihnen nur sehr wenige Menschen felsenfest glauben?
Wohlert: Manchmal gibt es eine Art Abgesang auf den Journalismus. Wir glauben sehr stark an Content-Modelle und auch daran, dass mit guten Inhalten viel Geld verdient werden kann.

Drei Tools, die Sie jungen Gründerinnen und Gründern auf den Weg geben…
Wohlert: Weniger konkrete Tools, aber sehr wichtig sind regelmäßige Teammeetings und Jour fixes. Gründerinnen und Gründer sollten sich Zeit nehmen, um an der Vision und Strategie zu arbeiten, um nicht im Tagesgeschäft unterzugehen. Lasst euch nicht entmutigen und seid immer offen für Veränderungen am Geschäftsmodell.

Welche Schlagzeile möchten Sie über sich im Jahre 2020 lesen?
Wohlert: “EDITION F vernetzt Millionen von Frauen“

Abschließend, bei wem würden Sie gerne einmal nachhaken?
Wohlert: Sophia Amoruso, die Gründerin des Shops NastyGal. Sie hat es geschafft, eine vertrauensvolle Marke zu schaffen, mit der sie zugleich Nutzerinnen sowie Investoren glücklich macht.

Danke für das Gespräch.

Ein Gedanke zu „Edition F: Selbstständigkeit ist wie ein Sprung ins kalte Wasser“

  1. Sehr schönes Interview.
    Schön über die 2 zu lesen.

    Der Sprung in die Selbstständigkeit ist immer einer ins kalte Wasser und für jeden eine eigene Challenge.
    Schön zu sehen, dass es bei Edition F geklappt hat.
    Das macht Mut. 🙂

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